d.art – Didaktik für Kunst- und Kulturschaffende zur Gestaltung außerunterrichtlicher Angebote in Ganztagsschulen

Im Projekt d.art wird eine wissenschaftlich fundierte Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende konzipiert, durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. 

Ein Schwerpunkt des Projekts d.art liegt auf der Entwicklung eines Weiterbildungskonzepts für Kunst- und Kulturschaffende, die an einer künstlerisch-pädagogischen Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen im außerunterrichtlichen Bereich von Ganztagesschulen interessiert sind. Kulturelle Bildung soll Kindern oder Jugendlichen ästhetische Erfahrungen im Rahmen einer pädagogischen Beziehung ermöglichen. Die konkreten Projekte sollen das Potenzial haben, Kinder oder Jugendliche stark zu machen und sie zu befähigen, sich und ihre Lebenswelt zu reflektieren.

Die Weiterbildung umfasst mehrtägige Seminare, Praxistage sowie eine begleitende individuelle Lernprozessbegleitung. Die Teilnehmenden setzen ihre Projekte kultureller Bildung an Ganztagesschulen um. Damit eröffnet die Weiterbildung den Teilnehmenden die Möglichkeit, im Einzelgespräch aber auch im Austausch mit den anderen Teilnehmenden Praxiserfahrungen in Hinblick auf die pädagogische Beziehung zu reflektieren und sich über das eigene Vermittlungsanliegen bezogen auf kulturelle Bildung zu verständigen. 

Der zweite Schwerpunkt ist die wissenschaftliche Begleitung der Weiterbildung. Hierbei richtet sich das Erkenntnisinteresse auf die Lern- und Bildungsprozesse der Teilnehmenden und die Frage, inwieweit die Weiterbildung geeignet ist, diese zu unterstützen. Vordringlich geht es darum zu erforschen, ob und ggf. wie die Teilnehmenden ihr pädagogisches Wissen im Kontext der Weiterbildung transformieren, bzw. inwiefern die Kunst- und Kulturschaffenden ihre Begründungen für ihr pädagogisches Handeln in Auseinandersetzung mit den Theorieangeboten der Weiterbildung verändern. Hierzu werden in Längsschnittuntersuchungen über den Zeitraum der Weiterbildung verschiedene Daten erhoben. Neben Interviews gibt es teilnehmende Beobachtungen während der Weiterbildungsseminare und Aufzeichnungen der Beratungsgespräche. Die daraus gewonnenen Daten werden qualitativ ausgewertet, so dass vergleichende Aussagen abgeleitet, aber auch individuelle Lern- oder Bildungsverläufe rekonstruiert werden können.

Ergebnisse

d.art – Charakterfilm

„Der Film zeigt, wie die pädagogische Weiterbildung d.art die Künstlerinnen und Künstler auf ihrem fast einjährigen Weg aus ihrem Atelier in die Welt von Projekten kultureller Bildung an Ganztagsschulen begleitet und sie dabei unterstützt ihren ganz eigenen künstlerisch-pädagogischen Standpunkt zu finden. Im Film wird der Kern des Weiterbildungskonzeptes d.art veranschaulicht. Wir vermitteln keine eigenen Anliegen, sondern wir denken vom Standpunkt der Künstlerinnen und Künstler aus. Was benötigen die Kunst- und Kulturschaffenden, um Projekte kultureller Bildung umsetzen zu können? Wir interessieren uns für ihre Lerninteressen.“

d.art – Videocast

„Dieser Videocast gibt einen kurzen und anschaulichen Einblick in das Weiterbildungskonzept d.art und den typischen Weiterbildungsverlauf. Der Videocast wendet sich an Weiterbildende und andere Interessierte, die das Weiterbildungskonzept d.art selbst realisieren wollen oder sich für dessen Begründungen interessieren.

Die Entwicklung der pädagogischen Weiterbildung d.art wurde im Zeitraum Oktober 2014 bis Dezember 2017 vom BMBF gefördert. Die Projektleitung lag bei Prof. Dr. Joachim Ludwig, Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Medienpädagogik an der Universität Potsdam.

Dieser Videocast liefert Informationen über die Grundidee und den Ablauf dieser pädagogischen Weiterbildung und ihre theoretische Begründung. Darüber hinaus werden Erkenntnisse angeboten, die in insgesamt drei Weiterbildungsdurchgängen gewonnen wurden. Von den Ergebnissen dieses Projekts können all jene profitieren, die selbst eine pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende planen, bei der Künstler*innen nicht zu Pädagog*innen ausgebildet werden sollen, sondern Künstler*innen bleiben und ihre ästhetisch-künstlerische Expertise in Projekte ästhetischer Bildung einbringen. Darüber hinaus gibt der Videocast didaktische Ideen und Anregungen, wie ein Angebot der Erwachsenenbildung die Lerninteressen der Teilnehmenden zum Ausgangspunkt einer Weiterbildung nimmt und mit einem Lernbegleitungskonzept deren Fragen und Handlungsproblematiken aufgreift und bearbeitet.“

Kamera und Schnitt

Jakob Krese
Gaston Ibarroule

Sprecher*innen

Silvia Marx
Henry Utech
(d.art- Dozierende und Lernbegleitende) 

Konzeptband „d.art – Eine pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende“

Der d.art-Konzeptband richtet sich an interessierte Weiterbildende. Der Verlauf der Weiterbildung, die Leitideen und die pädagogischen Konzeptbegründungen werden umfänglich beschrieben. Der Band gibt Hinweise und Anregungen für Weiterbildende, die ähnliche pädagogische Weiterbildungen planen.

Sie finden den Konzeptband hier.

Materialband „d.art – Wie Kunst Bildung bewegt. Ein Lernbuch.“

Interessierte an der Durchführung der Weiterbildung „d.art“ können auf Nachfrage einen Materialband erhalten. Dieser unterstützt die Weiterbildenden, wesentliche Fragen, Inputs und Themendarstellungen auszuwählen. Im Materialband wird Angebot der Weiterbildung aufgegriffen und vertieft. Darüber hinaus bietet der Materialband Informationen zum Handlungskontext (im Bundesland Brandenburg) und zu den Bedingungen der Projektdurchführung (Honorar, rechtliche Grundlagen, Finanzierung). 

Literatur zum Projekt d.art und benachbarten Projekten

Sammelbandbeiträge:

2018
  • Ittner, H.; Ludwig, J. (2018): Bedeutungs-Begründungs-Zusammenhänge des künstlerisch-pädagogischen Handelns. In: Joachim Ludwig/Helmut Ittner (Hg.): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende, Band 2 Forschung. Wiesbaden: Springer-VS.
  • Ludwig, J./Ittner, H. (2018): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Einleitung. In: Joachim Ludwig/Helmut Ittner (Hg.): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende, Band 2 Forschung. Wiesbaden: Springer-VS.
  • Ludwig, J./Utech, H./Tasch, M. (2018): d.art – Pädagogische Weiterbildung vom Standpunkt der Kunst- und Kulturschaffenden. In: Susanne Keuchel/Bünyamin Werker (Hg.) (2018): Künstlerische-pädagogische Weiterbildungen für Kunst- und Kulturschaffende. Innovative Ansätze und Erkenntnisse, Band 1: Praxis. Wiesbaden: Springer-VS.
2017
  • Günther, S. (2017): Zwischen ästhetischer Erfahrung und Reflexion. Überlegungen zum Bildungspotenzial kultureller Bildung. In: Gabriele Weiß (Hg.): Kulturelle Bildung – Bildende Kultur. Schnittmengen von Bildung, Architektur und Kunst. Bielefeld: transcript, S. 63-74.
  • Ludwig, J. (2017): d.art: Ein Weiterbildungsangebot für Künstler zur Unterstützung ästheti-scher Erfahrungsprozesse in der Ganztagsschule. In: Joachim Kettel (Hg.): Missing_LINK 2016. Über-gangsformen von Kunst und Pädagogik in der Kulturellen Bildung – Künstlerische Kunstpädagogik im Kontext. Karlsruhe, 15.-17.07.2016. Pädagogische Hochschule Karlsruhe: Athena, S. 207–224.
  • Ludwig, J. (2017): Ästhetische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. In: Gerd Taube/Max Fuchs/Tom Braun (Hg.): Handbuch Das starke Subjekt. Schlüsselbegriffe in Theorie und Praxis. München: kopäd.
  • Ludwig, J. (2017): Forschung zwischen Funktionalitätsaspekten und gesellschaftlicher Teilhabe. In: Sebastian Konietzko/Sarah Kuschel/Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Hg.): Von Mythen zu Erkenntnissen? Empirische Forschung in der Kulturellen Bildung. München: kopaed, S. 57-67.

Mitarbeitende 

Das Projekt d.art wurde von folgenden Mitarbeitenden erarbeitet und durchgeführt: 

#Label
  • Prof. Dr. Joachim Ludwig (Projektleitung)
  • Stephanie Günther (Wissenschaftliche Begleitung)
  • Dr. Helmut Ittner (Wissenschaftliche Begleitung)
  • Silvia Marx (Weiterbildungsdozentin)
  • Markus Tasch (Wissenschaftliche Begleitung)
  • Henry Utech (Weiterbildungsdozent)
  • Martin Prüter (Studentischer Mitarbeiter)
  • Rosana Sikora (Studentische Mitarbeiterin)

Vorhaben und Ablauf 

Projektlaufzeit: August 2014 bis Juli 2017

Das Projekt d.art hat zwei Ziele. Erstens die wissenschaftlich fundierte und praktische Entwicklung einer Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende. Zweitens die wissenschaftliche Evaluation des Weiterbildungskonzepts.

Das Weiterbildungskonzept richtet sich an Kunst- und Kulturschaffende, die an einer künstlerisch-pädagogischen Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen interessiert sind. Dabei wird der außerunterrichtliche Bereich von Ganztagesschulen besonders fokussiert. Die Weiterbildung spricht Kunst- und Kulturschaffende aller Kunstsparten an. Kulturelle Bildung  soll Kindern oder Jugendlichen ästhetische Erfahrungen mit Bezug zu ihrer Lebenswelt ermöglichen. Im Sinne von Kultureller Bildung sollen die konkreten Projekte das Potenzial haben, Kinder oder Jugendliche stark zu machen und sie zu befähigen, sich und ihre Lebenswelt (Fragen, Probleme, Anliegen) zu reflektieren und neue Perspektiven auszuprobieren und zu entfalten. 

Die Weiterbildung umfasst mehrtägige Seminare, Praxistage sowie eine begleitende individuelle Lernprozessbegleitung. Die Teilnehmenden erproben ihre Projekte kultureller Bildung an Ganztagesschulen. Die Teilnehmenden können so im Einzelgespräch und im Austausch mit anderen ihre Praxis erfahrungen reflektieren. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt, welche Erfahrungen die eigene Kunst den Schülerinnen und Schülern ermöglichen kann und wie sich  die pädagogische Beziehung im Projekt gestalten lässt.  Das Weiterbildungskonzept geht mit dieser dreigliedrigen Seminar-Praxis-Beratungs-Struktur weit über ein konventionelles Weiterbildungsangebot hinaus. 

Die Leitidee des Konzepts ist es, dass (Weiter)Bildung erst durch die Aneignung des Bildungsangebotes durch die Teilnehmenden zustande kommt. Deshalb wird auf die Begleitung der individuellen Bildungsprozesse der Künstlerinnen und Künstler besonderen Wert gelegt. Das Weiterbildungskonzept ist so nicht nur im Sinne von Anforderungen angebots- sondern auch aneignungsorientiert im Sinne der Formulierung eigener Fragen, Interessen und Lernanliegen. Die Weiterbildung macht Angebote zur theoriegestützten Reflexion und Fortentwicklung der individuellen Bildungsanliegen der teilnehmenden Kunst- und Kulturschaffenden. 

Der zweite Schwerpunkt ist die wissenschaftliche Begleitung der Weiterbildung. Hierbei richtet sich das Erkenntnisinteresse auf die Lern- und Bildungsprozesse der teilnehmenden Kunst- und Kulturschaffenden und die Frage, inwieweit die Weiterbildung geeignet ist, diese zu unterstützen. Vordringlich geht es darum zu erforschen, ob und ggf. wie die Teilnehmenden ihr pädagogisches Wissen im Kontext der Weiterbildung transformieren, bzw. inwiefern die Kunst- und Kulturschaffenden ihre Begründungen für ihr pädagogisches Handeln in Auseinandersetzung mit den Theorieangeboten der Weiterbildung verändern. Hierzu werden im Forschungsformat einer Längsschnittuntersuchung über den Zeitraum eines Jahres hinweg verschiedene Daten erhoben. Neben Interviews gibt es teilnehmende Beobachtungen während der Weiterbildungsseminare und Aufzeichnungen der Beratungsgespräche. Die daraus gewonnenen Daten werden qualitativ ausgewertet, so dass vergleichende Aussagen abgeleitet, aber auch individuelle Lern- oder Bildungsverläufe rekonstruiert werden können.

Projektablauf (Quelle: Eigene Darstellung)

Ziel und Gegenstand

Die pädagogische Weiterbildung d.art ist als Angebot konzipiert, mithilfe dessen sich die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler einerseits über die eigene künstlerische Expertise und das mit ihr verbundene kunstbezogene Vermittlungsanliegen verständigen können sowie andererseits sich ihr pädagogisches Vermittlungsanliegen als Künstlerinnen bzw. Künstler erschließen können, die mit Schülerinnen und Schülern Projekte kultureller Bildung realisieren wollen.

Leitziel ist die Entwicklung pädagogischer Planungs- und Reflexionskompetenz für Projekte kultureller Bildung. Im Einzelnen bedeutet dies für die Teilnehmenden, dass sie:

  • vom künstlerischen Selbstverständnis ausgehend ein Bildungsverständnis entwickeln,
  • eine Projektidee entwickeln und ein Projekt planen, auf dessen Basis die Kinder und Jugendlichen ihre Lebenswelt ästhetisch wahrnehmen können,
  • den Projektprozess nicht nur planen sondern vor allem in seiner Durchführung pädagogisch reflektieren und gestalten können,
  • Schule als Kontext für Projekte ästhetischer Bildung kennen lernen und berücksichtigen.

Dabei bilden der individuelle Lernprozess und die künstlerisch-pädagogische Projektidee der Künstlerinnen und Künstler in ihrer Verbindung den zentralen Gegenstand der pädagogischen Weiterbildung. Das Kunstprojekt wird jeweils mit Blick auf die spezifische Projektschule entwickelt.

Themenfelder

Die pädagogische Weiterbildung besteht aus vier Themenfeldern. Sie dienen der Vermittlung pädagogischen Wissens, dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch und der Erarbeitung individueller pädagogischer Konzepte im Spannungsfeld von vorhandenen und neuen pädagogischen Konzepten sowie im Spannungsfeld von Organisation und kreativer pädagogischer Interaktion.

Themenfeld 1: Biographie und künstlerisches Selbstverständnis 

Grundlage für die pädagogische Arbeit ist das jeweilige künstlerische Selbstverständnis. Hier sind die Teilnehmenden Expertinnen und Experten. Mit diesem individuellen Erfahrungsschatz gehen sie auf die Schülerinnen und Schüler zu. Warum bin ich Künstler? Was ist der Kern meiner Kunst? Worin liegen die Besonderheiten dieser Kunst? Wie erschließe ich mir künstlerisch meine Welt? Was kann für die Schülerinnen und Schüler daran interessant sein? Inwiefern ist sie den Schülerinnen und Schülern zugänglich oder wie können die Künstlerinnen und Künstler sie zugänglich machen? Was bedeutet es Kunst zu schaffen und könnte dieses Vorgehen für Schülerinnen und Schüler relevant sein?

Solche und ähnliche Fragen dienen der künstlerischen Selbstverständigung und sind Ausgangspunkt für die weitere Projektplanung und Gestaltung. Sie zu klären ist die Voraussetzung für den Aufbau eines künstlerisch- pädagogischen Vermittlungsanliegens.

Themenfeld 2: Kulturelle Bildung 

d.art versteht pädagogisches Handeln als unterstützendes Handeln, das Selbst- und Weltverständigungs-prozesse der Schülerinnen und Schüler anregt und begleitet. Es geht nicht um die alleinige Vermittlung der ´wahren´ Kunst und dem Nachahmen der Künstlerin oder des Künstlers, sondern um kulturelle Bildung im Medium der Kunst. Das bedeutet, dass künstlerisch-kreative Angebote einen Rahmen für Schülerinnen und Schüler bieten, ihre eigenen Interessen und ihre gesellschaftliche Eingebundenheit zu reflektieren sowie ihnen neue Möglichkeiten der ästhetischen Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit an die Hand zu geben. 

Dieses Themenfeld beschäftigt sich mit dem Kern des Bildungsgedankens. Wo liegt der Unterschied zwischen Bildungs- und Qualifikationsprozessen? Wie erreiche ich als Künstler die Interessen, Problem- und Fragestellungen der Jugendlichen? Wo stehe ich im Spannungsfeld meiner eigenen Bildungsanforderung/meiner Steuerungsabsichten einerseits und der notwendigen Offenheit für die Anliegen der Jugendlichen andererseits. Welcher Erfahrungen können die Schülerinnen und Schüler im Projekt machen? Was können die Schülerinnen und Schüler mithilfe meiner Kunst im Projekt erleben, erfragen, reflektieren und neu verstehen?

Themenfeld 3: Didaktische Herausforderungen 

In diesem Themenfeld geht es um das pädagogische Planen und vor allem Handeln. In den Blick treten Spannungsverhältnisse, wie sie für pädagogisches Handeln bestimmend sind. Eine zentrale didaktische Herausforderung liegt zum Beispiel darin, einerseits eigene Themen und künstlerische Medien anzubieten und andererseits die Interessen der Schülerinnen und Schüler einzubeziehen und zur Sprache zu bringen. Um die eigene Beziehung zu den Schülern im Projekt durchdenken zu können und einen begründeten didaktischen Standpunkt zu finden, wird das Konzept der „Spannungsfäden“ angeboten. Sie beschreiben Dimensionen, die jedes didaktische Handeln durchziehen, z.B.:  Nähe – Distanz, Fachwissen- Lebenswelt, Ungewissheit- Planung. 

Das Themenfeld dient erstens der Planung eigener Projekte kultureller Bildung und zweitens der Entwicklung pädagogischer Reflexionskompetenz mit Blick auf die in den Projekten konstituierten pädagogischen Beziehungen. Folgende Fragen werden bearbeitet: Wie kann eine pädagogische Beziehung zwischen den Künstlerinnen und Künstlern und den Schülerinnen und Schülern etabliert werden, die als vertrauensvoll und hilfreich erfahren wird? Wie gestalte ich den Anfang des Projekts so, dass die Interessen der Schülerinnen und Schüler zur Sprache kommen. 

Es besteht für die Teilnehmenden die Möglichkeit, die flüchtigen Momente aus der eigenen Projektpraxis für die weitere pädagogische Arbeit zu deuten und die darin gemachten Erfahrungen für die weitere Tätigkeit zugänglich zu machen.

Themenfeld 4: Schulkultur und Schule als Projektraum 

Die Schule ist ein besonderer Raum für Projekte künstlerisch-kreativen Arbeitens. Er schließt viele Personen mit unterschiedlichen Rollen ein: Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen, Eltern. Hinzu kommen unterschiedliche Schulkulturen und Verwaltungsstrukturen. Dies beinhaltet gegenseitige Erwartungen: Was erwarten die Künstlerinnen und Künstler von den Schülerinnen und Schülern (werden sie als solche gesehen?), was von den Lehrerinnen und Lehrer und von der Schule als Institution? Was wird von den Künstlerinnen und Künstlern erwartet und worin sehe sie ihre Rolle? Wie gehen sie mit Rollenerwartungen um, wie formulieren sie ihre Erwartungen? 

Dieses Themenfeld fragt nach den besonderen Bedingungen, Anforderungen und Schwierigkeiten des Projektraums Schule für die jeweils eigene pädagogische Arbeit.

Wissenschaftliche Begleitung

1. Ziel und Gegenstand 

Ziel der Begleitforschung im Projekt d.art ist die Evaluation der Weiterbildung. Die Weiterbildung setzt nicht auf die Vermittlung feststehender Kompetenzen, sondern macht Angebote zur theoriegestützten Reflexion und Fortentwicklung der individuellen Vermittlungsanliegen der Teilnehmenden. Dies hat zur Folge, dass ganz verschiedene und individuelle Bildungsprozesse zu erwarten sind. Eine Evaluation mit Bezug auf vordefinierte Lehrziele oder zu erreichende Kompetenzen kommt deshalb nicht in Frage. 

Geht man davon aus, dass Lernen ein intentionaler Prozess ist, der auf die Erweiterung der individuellen Handlungsfähigkeit zielt (vgl. Holzkamp 1995) und, dass dieser Lernprozess didaktisch durch die Vermittlung alternativer Bedeutungshorizonte unterstützt werden kann (vgl. Ludwig 2012 und 2015; Ludwig/Rhim 2013), so stellt sich die Frage nach dem Ertrag der Weiterbildung auf spezifische Weise als Frage nach den Lernprozessen der Teilnehmenden

Die pädagogische Weiterbildung d.art ist als Angebot konzipiert, mithilfe dessen sich die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler einerseits über die eigene künstlerische Expertise und das mit ihr verbundene kunstbezogene Vermittlungsanliegenverständigen können sowie andererseits sich ihr pädagogisches Vermittlungsanliegenals Künstlerinnen bzw. Künstler, die mit Schülerinnen und Schülern Projekte kultureller Bildung realisieren wollen, erschließen können. In der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes d.art wird untersucht, in welcher Weise sich Teilnehmende in ihren Verständigungsversuchen lernend auf das Weiterbildungsangebot beziehen, ihre pädagogische Handlungsfähigkeit also erweitern können und in welcher Weise sie dabei ihr vorhandenes Verständnis von pädagogischem Handeln beibehalten, verändern bzw. in „widerständiger Weise“ aufrechterhalten.

2. Forschungsfragen 

Die wissenschaftliche Begleitforschung untersucht, wie sich die Weiterbildungsteilnehmenden mit ihrem pädagogischen Handeln in Projekten kultureller Bildung auseinandersetzen und in welcher Art und Weise sie sich dabei auf das wissenschaftlich fundiertes Wissen, das ihnen in der Weiterbildung angeboten wird, beziehen. Wir gehen der Frage nach, in wie weit die Weiterbildung die Teilnehmenden dabei unterstützt ihre biographisch gerahmte Fachexpertise als Künstlerin bzw. Künstler mit einer pädagogischen Expertise zur Realisierung von Projekten kultureller Bildung zu verbinden. Unter dem Begriff „transformatorische Bildungsprozesse“ (vgl. Koller 2012) werden solche identitätsrelevanten Übergänge bislang vor allem aus der Perspektive einer biographietheoretisch fundierten Bildungsprozessforschung untersucht. Eine gegenstandsbezogene und lerntheoretisch begründete Bildungsprozessforschung steht bislang aus (vgl. Ludwig 2014). Diesem Desiderat wendet sich die Begleitforschung im Projekt d.art zu. 

Es werden drei Forschungsfragen bearbeitet:

  1. Welche Bedeutungs-Begründungszusammenhänge (BBZ) stiften die Künstlerinnen und Künstler zwischen ihrem künstlerischen Vermittlungsverständnis und ihrem pädagogischen Vermittlungsverständnis im Verlauf der Weiterbildung?
  2. Welche Bedeutungs-Begründungszusammenhänge (BBZ) stiften die Künstlerinnen und Künstler im Verlauf der Weiterbildung zwischen ihren Vorstellungen pädagogischen Handelns und dem wissenschaftlichen pädagogischen Wissen, das ihnen in der Weiterbildung angeboten wird? 
  3. In welchem gesellschaftlich-kulturellen Kontext stehen diese individuellen Bedeutungs-Begründungszusammenhänge (BBZ)?

Damit realisieren wir in d.art einerseits Anwendungsforschung im Sinne einer Evaluation des Weiterbildungsangebotes. Wir bearbeiten damit aber zugleich eine grundlagentheoretisch relevante Fragestellung, die an den erwachsenenpädagogischen Diskurs um die Professionalisierung nebenberuflicher Kursleitender anschließt (vgl. Günther/Ludwig 2015).

3. Theoretischer Zugang 

Bedeutungs-Begründungs-Zusammenhänge (BBZ). Quelle: Eigene Darstellung

Lernen verstehen wir als einen intentionalen Prozess, der auf die Erweiterung der individuellen Handlungsfähigkeit zielt (vgl. Holzkamp 1995). Im Anschluss an eine subjekttheoretische Lern- und Bildungsprozessforschung (vgl. Ludwig 2014) untersuchen wir die Lernprozesse der Teilnehmenden vom Standpunkt der Lernenden aus. Wir rekonstruieren die gegenstandsbezogenen BBZ, die sich die Teilnehmenden im Rahmen der Weiterbildung bzgl. ihres pädagogischen Handelns in Projekten kultureller Bildung erarbeiten bzw. reflektieren. Wie verändern sich die Vorstellungen der Künstlerinnen und Künstler zu ihrem eigenen pädagogischen Handeln, zu ihrer Sicht auf die Kinder und Jugendlichen und auf die Bildungseinrichtung Schule sowie ihre biographisch erworbenen Vorstellungen zum Sinn und Zweck von Kunst und kultureller Bildung bzw. wie werden bisherige Vorstellungen stabil gehalten?

Die Begründungen der Künstlerinnen und Künstler sind durch ihre je biographisch erworbenen, lebensweltlichen Bedeutungshorizonte mit gesellschaftlichen Bedeutungshorizonten vermittelt (vgl. Abb. 1). Gesellschaftliche Bedeutungshorizonte sind Möglichkeiten zur individuellen Existenzsicherung und Teilhabe. Menschen können sich diese Möglichkeiten jedoch immer nur innerhalb ihrer je konkreten Lebenswelt nähern, die als subjektive Bedeutungshorizonte immer nur Ausschnitte der gesellschaftlichen Bedeutungshorizonte sind. Holzkamp bezeichnet diesen Standort als „Personale Situiertheit“ (vgl. Holzkamp 1995, S. 263 ff.). Die Rekonstruktion des Bezuges von Begründungen als gegenstandsbezogene Positionierungen auf gesellschaftliche Bedeutungshorizonte in ihrer subjektiven Repräsentation bezeichnen wir im Anschluss an Holzkamp als Bedeutungs-Begründungs-Analyse. Rekonstruiert werden im Projekt d.art die Lernprozesse der an der Weiterbildung teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler als Veränderungen von Bedeutungs-Begründungszusammenhängen (BBZ).

Sowohl handlungstheoretische Professionalisierungstheorien (vgl. Helsper 1996) als auch strukturtheoretische Modelle (vgl. Oevermann 1981, 1996 und 2002) beschreiben professionelles pädagogisches Handeln als ein Handeln in Spannungsverhältnissen. Professionelles pädagogisches Handeln zeichnet sich gegenüber alltäglichem pädagogischem Handeln durch eine stärkere Reflexion dieser Spannungsverhältnisse und einer größeren Flexibilität dieses Handelns in Spannungsverhältnissen aus. Professionelles pädagogisches Handeln erfordert somit ein Verhalten zu sich widersprechenden Anforderungen bzw. Antinomien.  Bedeutungs-Begründungszusammenhänge pädagogisch Handelnder werden so als Positionierungen in Spannungsfeldern rekonstruierbar. In der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes d.art fragen wir nach der Art und Weise in der die Künstler diese Spannungsverhältnisse in ihrem pädagogischen Handeln erfahren und reflektieren und wie sie darüber ihre Begründungen pädagogischen Handelns ggf. transformieren.

4. Empirische Erhebung 

Die Studie ist als qualitative Längsschnittuntersuchung angelegt. Datenerhebung und Weiterbildung sind eng miteinander verzahnt, d.h. wir nutzen den Prozess der Weiterbildung und die dabei entstehenden Daten als Daten für die Studie. 

Vor Beginn der Weiterbildung werden narrative Interviews mit allen Weiterbildungsteilnehmenden geführt. Diese finden jeweils in den Ateliers oder Arbeitsräumen der Künstlerinnen und Künstler statt. Der Erhebungszeitpunkt ist angemessen, weil wir für die Auswertung der Daten im Längsschnitt einen Startpunkt festlegen müssen. Wir haben diesen vor dem ersten Seminar gewählt, weil wir damit die alltäglichen Vorstellungen der Künstler, insbesondere in Bezug auf ihr Verständnis von Pädagogik und kultureller Bildung in den Blick bekommen. Diese Vorstellungen bilden diejenige Perspektive, aus welcher heraus sich die Künstlerinnen und Künstler zu den Inhalten der Weiterbildung in Beziehung setzen. Die Erhebungsform des narrativen Interviews ist geeignet, da die Interviewten Raum haben ihre eigene Erzählung zu strukturieren, thematisch zu gestalten und zu entfalten. Thematisch beziehen sich die von uns im Interview angebotenen Frageimpulse auf das Selbstverständnis als Künstlerin bzw. Künstler und auf das Verständnis von Pädagogik bzw. kultureller Bildung. Nach der Weiterbildungsteilnahme werden die Teilnehmenden erneut interviewt, diesmal mit Frageimpulsen, die das Verhältnis von künstlerischer Expertise einerseits und Vermittlungsanliegen, Vermittlungsweisen und pädagogischer Beziehung in Projekten kultureller Bildung andererseits thematisieren. 

Darüber hinaus werden alle drei Workshops per Audio- und Video aufgezeichnet, ebenso wie telefonische Beratungsgespräche während der Praxisphasen. Notizen und Protokolle, die während der teilnehmenden Beobachtung von den Forscherinnen und Forschern angefertigt werden stehen ebenfalls als Daten zur Verfügung.

5. Auswertungsvorgehen 

Die Auswertung der umfangreichen Daten erfolgt qualitativ. Gearbeitet wird dabei mit Bedeutungs-Begründungs-Analysen (vgl. Ittner 2016), die sich an die Dokumentarische Methode (vgl. Bohnsack 2013, Nohl 2013) und die Situationsanalyse (vgl.Clarke/Keller 2012) anlehnen, sowie mit der Objektiven Hermeneutik (vgl. Wernet 2009) 

Die Anwendung komparativer und sequenziell vorgehender Interpretationsverfahren ermöglicht, die je individuellen Begründungen der Teilnehmenden in ihrer Beziehung zu den übergreifenden Bedeutungen zu verstehen. Erst wenn es gelingt herauszuarbeiten auf welche gesellschaftlichen Bedeutungshorizonte sich die Künstlerinnen und Künstler in ihren subjektiven Bedeutungs-Begründungszusammenhängen potenziell beziehen können, wird eine Verstehen durch die Forschenden möglich und das Charakteristische des jeweiligen Bedeutungs-Begründungszusammenhangs sichtbar.

6. Erste Ergebnisse 

Erste Datenauswertungen machen deutlich, dass sich die Künstlerinnen und Künstler in ihren Begründungen thematisch auf Fragen nach dem Was und Wie der Vermittlung in ihren Projekten zur kulturellen Bildung mit Schülerinnen und Schülern – also auf Vermittlungsanliegen und Vermittlungsmodus -, sowie auf Fragen der angemessenen Gestaltung einer pädagogischen Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern beziehen. In unterschiedlicher Weise kommt in den Begründungen zum Ausdruck, wie das konkrete Lehr-Lern-Setting es den Kindern oder Jugendlichen ermöglichen soll, sich mit ihrer Lebenswelt so auseinanderzusetzen, dass neue Sichtweisen, neue Erfahrungen oder erweiterte Handlungsmöglichkeiten in den Projekten kultureller Bildung erkennbar werden. Die Art und Weise des Bezugs auf das künstlerische Medium unterscheidet sich in den Begründungen der Künstlerinnen und Künstler vor allem entlang der Pole technisch/handwerkliche Beherrschung des Mediums vs. Nutzung der reflexiven Potenziale des Mediums Kunst/Kultur.

7. Literatur 

  • Bohnsack, R. (2013): Die dokumentarische Methode und ihre Forschungspraxis. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Clarke, A.E./Keller, R. (2012): Situationsanalyse. Grounded Theory nach dem Postmodern Turn. VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Günther, S./Ludwig, J. (2015): Transformationen pädagogischen Wissens bei nebenberuflichen Kursleitenden im Kontext pädagogischer Weiterbildung. In: Schmidt-Lauff, S./von Felden, H./Pätzold, H. (Hrsg.): Transitionen in der Erwachsenenbildung: Gesellschaftliche, institutionelle und individuelle Übergänge. Opladen/ Farmington Hills: Barbara Budrich, S. 213-224
  • Helsper, W. (1996): Antinomien des Lehrerhandelns in modernisierten päda¬gogischen Kulturen. Paradoxe Verwendungsweisen von Autonomie und Selbstverantwortlichkeit. In: Combe, A,/Helsper, W.(Hrsg.): Pädagogische Pro¬fessionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S .521-569
  • Holzkamp, K. (1995): Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung. Frankfurt a.M.: Campus
  • Ittner, H. (2016): Methodik für eine Forschung zum Standpunkt des Subjekts. In: Forum Qualitative Sozialforschung, 17 (2). Veröffentlichung im Mai 2016 
  • Koller, H.-C. (2012): Bildung anders denken. Einführung in die Theorie transformatorischer Bildungsprozesse. Stuttgart: Kohlhammer
  • Ludwig, J. (2012): Lernbegründungen verstehen – Lernen beraten. In: Ludwig, J. (Hrsg.): Lernberatung und Diagnostik. Modelle und Handlungsempfehlungen für Grundbildung und Alphabetisierung. Bielefeld: wbv, S. 152-180
  • Ludwig, J./Rihm, T. (2013): Der Subjektstandpunkt in der Didaktik. In: Klaus Zierer (Hg.): Jahrbuch für Allgemeine Didaktik 2013. Neuere Ansätze in der Allgemeinen Didaktik. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S. 83-96
  • Ludwig, J. (2014): Subjektwissenschaftliche Lerntheorie und Bildungsprozessforschung. In: Faulstich, P. (Hrsg.): Lerndebatten. Phänomenologische, pragmatistische und kritische Lerntheorien in der Diskussion. Bielefeld: transcript, S. 181-202
  • Ludwig, J. (2015): Beratung vom Subjektstandpunkt. In: Allespach, M./Held, J. (Hrsg.): Handbuch Subjektwissenschaft. Ein emanzipatorischer Ansatz in Forschung und Praxis. Frankfurt am Main: Bund Verlag, S. 293-313
  • Nohl, A.-M. (2013): Interview und dokumentarische Methode. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Oevermann, U.(1996): Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns. In: Combe, A./ Helsper, W. (Hrsg.): Pädagogische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 70-182
  • Oevermann, U.(2002): Professionalisierungsbedürftigkeit und Professionalisiertheit pädagogischen Handelns. In: Kraul, M./Marotzki, W./Schweppe, C.(Hrsg.): Biographie und Profession. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S.19-63
  • Oevermann, U.(1981): Professionalisierung der Pädagogik – Professionalisierbarkeit pädagogischen Handelns. Transkription eines Vortrags am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Freien Universität Berlin.
  • Wernet, A. (2009): Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Fachtagung „Qualität und Perspektiven für Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen

Wenn Kunst- und Kulturschaffende gemeinsam mit Ganztagsschulen Projekte kultureller Bildung initiieren, dann steht diese Kooperation im Spannungsverhältnis von künstlerischem Selbstverständnis, schulischen Qualitätsansprüchen und den Interessen der Schülerinnen und Schüler. Was zeichnet solche Projekte aus? Welchen Beitrag leisten Künstlerinnen und Künstler und worin liegt ihr spezifisches Potenzial für kulturelle Bildung? 

Im pädagogischen Weiterbildungsprojekt d.art (gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung) sind wir diesen Fragen in den letzten drei Jahren aus verschiedenen Perspektiven auf den Grund gegangen. Dabei haben wir über 40 Künstlerinnen und Künstler pädagogisch qualifiziert, ein Weiterbildungskonzept entwickelt und dessen Wirksamkeit wissenschaftlich evaluiert. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler konnten sich im Rahmen dieser Weiterbildung pädagogische Kompetenzen aneignen, um mit ihrer Kunst Bildungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen anzustoßen. Dabei sind konkrete Projekte kultureller Bildung für Ganztagsschulen entstanden. Unsere Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem vom BMBF geförderten Projektzusammenhang wollen wir nun mit Ihnen teilen und gemeinsam in eine Diskussion treten. 

Was können Schulen von den Künstlerinnen und Künstlern erwarten? Künstlerinnen und Künstler präsentieren an konkreten Beispielen ihre Projekte und ihre Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Im Vordergrund stehen die Fragen nach den künstlerischen Bildungspotenzialen, der Qualität kultureller Bildung und den Kooperationsvoraussetzungen. 

Warum ist die pädagogische Weiterbildung von Kunst- und Kulturschaffenden eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Projekte der kulturellen Bildung und wie sollte so eine Weiterbildung aussehen? Das frei verfügbare Weiterbildungskonzept d.art und die Evaluationsergebnisse werden vorgestellt. Dieses Konzept können Kultusverwaltungen nutzen, um pädagogische Weiterbildungen für Kunst- und Kulturschaffende in Auftrag zu geben.

d.art für Ganztagsschulen 

01.11.2016 – d.art: Künstlerinnen und Künstler im Ganztag 

Im Projekt d.art der Universität Potsdam werden Künstlerinnen und Künstler, die in Ganztagsschulen tätig sind oder sein wollen, weitergebildet. Prof. Dr. Joachim Ludwig im Interview. 

Gesamter Beitrag bei www.ganztagsschulen.org

06.06.2016 – D.art trifft! – Wenn Kunst Schule macht 

Kein Stillsitzen, kein Stundenklingeln. Nichts beweisen müssen, nicht versagen können. Es gibt kein richtig und kein falsch, und es ist dennoch Schule. Uschi Jung ist mit „ihren“ Schülern auf Zeit hinausgezogen in den Tempelgarten von Neuruppin. Die Malerin und Grafikerin will mit ihnen den Freiraum einer ganzen Projektwoche füllen. Und ist dabei selbst Teil eines Projekts. Treffsicher trägt es den Namen d.art und zielt darauf ab, Kunstschaffende für die außerunterrichtliche Arbeit in Ganztagsschulen weiterzubilden. Erziehungswissenschaftler der Universität Potsdam erstellen hierfür ein Konzept. 

Gesamter Beitrag im Universitätsmagazin „Portal Wissen“ (1/2016)

07.06.2013 – „Hammer, Geige, Bühne – Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ 

Forschungsergebnisse einmal anders: Prof. Andreas Lehmann-Wermser von der Universität Bremen berichtet im Interview über die Dreharbeiten zu „Hammer, Geige, Bühne“, die den Stand und die Möglichkeiten der kulturellen Bildung an Ganztagsschulen ausleuchten. 

Gesamter Beitrag bei www.ganztagsschulen.org

Veröffentlichungen zum Projekt 

Konzeptband:

  • Ludwig, J./Marx, S./Tasch, M./Utech, H. (2018): D.art. Eine pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende. Konzeptband: Hinweise zur Durchführung und didaktische Begründungen. Online verfügbar unter: urn:nbn:de:kobv:517-opus4-413642 (Letzter Zugriff 11.09.2018).

Sammelband:

  • Ludwig, Joachim; Ittner, Helmut (Hg.) (2018): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende, Band 2: Forschung. Wiesbaden: Springer.

Sammelbandbeiträge:

2018

  • Ittner, H.; Ludwig, J. (2018): Bedeutungs-Begründungs-Zusammenhänge des künstlerisch-pädagogischen Handelns. In: Joachim Ludwig/Helmut Ittner (Hg.): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende, Band 2 Forschung. Wiesbaden: Springer-VS.
  • Ludwig, J./Ittner, H. (2018): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Einleitung. In: Joachim Ludwig/Helmut Ittner (Hg.): Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln. Pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende, Band 2 Forschung. Wiesbaden: Springer-VS.
  • Ludwig, J./Utech, H./Tasch, M. (2018): d.art – Pädagogische Weiterbildung vom Standpunkt der Kunst- und Kulturschaffenden. In: Susanne Keuchel/Bünyamin Werker (Hg.) (2018): Künstlerische-pädagogische Weiterbildungen für Kunst- und Kulturschaffende. Innovative Ansätze und Erkenntnisse, Band 1: Praxis. Wiesbaden: Springer-VS.

2017

  • Günther, S. (2017): Zwischen ästhetischer Erfahrung und Reflexion. Überlegungen zum Bildungspotenzial kultureller Bildung. In: Gabriele Weiß (Hg.): Kulturelle Bildung – Bildende Kultur. Schnittmengen von Bildung, Architektur und Kunst. Bielefeld: transcript, S. 63-74.
  • Ludwig, J. (2017): d.art: Ein Weiterbildungsangebot für Künstler zur Unterstützung ästheti-scher Erfahrungsprozesse in der Ganztagsschule. In: Joachim Kettel (Hg.): Missing_LINK 2016. Über-gangsformen von Kunst und Pädagogik in der Kulturellen Bildung – Künstlerische Kunstpädagogik im Kontext. Karlsruhe, 15.-17.07.2016. Pädagogische Hochschule Karlsruhe: Athena, S. 207–224.
  • Ludwig, J. (2017): Ästhetische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. In: Gerd Taube/Max Fuchs/Tom Braun (Hg.): Handbuch Das starke Subjekt. Schlüsselbegriffe in Theorie und Praxis. München: kopäd.
  • Ludwig, J. (2017): Forschung zwischen Funktionalitätsaspekten und gesellschaftlicher Teilhabe. In: Sebastian Konietzko/Sarah Kuschel/Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Hg.): Von Mythen zu Erkenntnissen? Empirische Forschung in der Kulturellen Bildung. München: kopaed, S. 57-67.

2016

2015

  • Günther, S.; Ludwig, J. (2015): Transformationen pädagogischen Wissens bei neben-beruflichen Kursleitenden im Kontext pädagogischer Weiterbildung. In: Sabine Schmidt-Lauff, Heide von Felden und Henning Pätzold (Hg.): Transitionen in der Erwachsenenbildung. Gesellschaftliche, institutionelle und individuelle Übergänge. 1. Aufl. Opladen: Budrich, S. 213–224.

Artikel in Zeitschriften, Zeitungen und Fachforen:

Vortäge, Tagungen, Postervorstellungen:

  • Ludwig, J. (04.-06.10.2017): Das Projekt d.art: Transformation von Sichtweisen Kunstschaffender im Rahmen von Weiterbildungen zur Kulturellen Bildung. Vortrag bei der Jahrestagung des Netzwerks Forschung in der Kulturellen Bildung in Kassel.
  • Ludwig, J. (20.02.2017): Lernprozesse Kunstschaffender in pädagogischen Weiterbildungen. Vortrag bei der Tagung von kubi-online in der Bundesakademie Wolfenbüttel.
  • Ludwig, J.: Zum Wissen pädagogischer Praxis in der Kulturellen Bildung Jahrestagung der Wissensplattform kubi-online in der Bundesakademie Wolfenbüttel.
  • Utech, H. (09.02. 2017): Rückblick auf der Weiterbildungsprojekt d.art. Vortrag bei der 2. Kontaktbörse Kulturelle Bildung „KuBi die 2te!“ in der Rosa-Luxemburg-Grundschule (Potsdam).
  • Utech, H. (18.01.2017): d.art: Künstlerinnen und Künstler im Ganztag. Vortrag bei der Tagung für Brandenburger Schulen mit Ganztagsangebot: „Verbindlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit“ im LISUM Ludwigsfeld. 
  • Tasch, M. & Utech, H. (18.11.2016): Posterausstellung auf dem Messestand der 3. BMBF-Tagung „Bildungsforschung 2020 – Perspektiven erkennen, Perspektiven eröffnen. Wissen schaffen“ im Hotel Estrel in Berlin.
  • Tasch, M. & Utech, H. (22.02.2016): Die pädagogische Weiterbildung für Kunst- und Kulturschaffende zur Gestaltung außerunterrichtlicher Angebote in Ganztagsschulen. Vortrag  und Postervorstellung zur pädagogischen Weiterbildung im Projekt „d.art“ beim 4. Vernetzungstreffen des DLR Projektträgers an der Universität Potsdam Campus Griebnitzsee.
  • Tasch, M. & Utech, H. (21.11.2015): Didaktik für Kunst- und Kulturschaffende zur Gestaltung außerunterrichtlicher Angebote in Ganztagsschulen. Vortrag zur Projektvorstellung „d.art“ auf der Partnerbörse zur kulturellen Bildung an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin.